Abstraktion, Einfühlung und Humanisierung in der Kunsterziehung durch das ders BELGELÝÐÝ-Modell

 

 

Einleitung
Kunsterziehung ist nicht nur ein Bereich zur Vermittlung technischer Fähigkeiten, sondern eine tiefgründige gedankliche Reise, die den Prozess der Humanisierung des Individuums begleitet. In diesem Zusammenhang betrachtet das Ders Belgeliði-Modell künstlerisches Schaffen nicht lediglich als ergebnisorientierte Handlung, sondern als Ausdruck einer bedeutungsvollen Verbindung des Menschen mit sich selbst, seiner Umwelt und dem Universum. In diesem Modell geht es nicht nur darum, dass der Schüler ein Objekt produziert, sondern vor allem darum, dass er eine Haltung gegenüber seinem eigenen künstlerischen Prozess entwickelt. An genau diesem Punkt bieten Wilhelm Worringers Konzepte der Abstraktion und Einfühlung eine kraftvolle Grundlage zur Bereicherung des gedanklichen Fundaments von Ders Belgeliði. Nach Worringer sind die formalen Tendenzen in der Kunstgeschichte nicht nur ästhetische Präferenzen, sondern Antworten des Menschen auf existenzielle Bedürfnisse. Dieses Verständnis wirft eine grundlegende Frage auf, die auch die Kunsterziehung leitet: Schafft sich das Individuum im Produktionsprozess durch Abstraktion oder durch Identifikation und Einfühlung? Ders Belgeliði gestaltet die Kunsterziehung frei entlang dieser dualen Achse und eröffnet Raum für die eigene Ausdrucksweise, Intuition und gedankliche Haltung des Schülers. In diesem Sinne ist das Modell nicht nur ein pädagogisches Werkzeug, sondern auch ein ethisches und existenzielles Haltungskonzept. Dieser Beitrag wird erörtern, wie das Ders Belgeliði-Modell mit dem Humanisierungsprozess korrespondiert, wie es sich durch die Fähigkeit zur Haltungsausbildung formt und im Kontext von Worringers ästhetischer Anthropologie einen tieferen begrifflichen Rahmen gewinnt.

 

 

 

1. Definition des Ders Belgeliði-Modells und seine philosophische Grundlage
Ders Belgeliði tritt als origineller pädagogischer Ansatz in der zeitgenössischen Kunsterziehung hervor. Das Modell ermöglicht es dem Schüler, sowohl seine Wahrnehmung der Welt als auch seine innere Existenz durch Kunst neu zu entdecken. Die Grundlage bildet die pädagogische Neudeutung von Wilhelm Worringers ästhetischem Dualismus der Abstraktion und Einfühlung als dialektischer Prozess. Nach Worringer manifestieren sich diese beiden Grundtendenzen der Kunstgeschichte in unterschiedlichen historischen und kulturellen Kontexten. Im Ders Belgeliði-Modell wirken sie jedoch als gleichzeitige und sich ergänzende Prozesse im künstlerischen Schaffen des Schülers. Identifikation bedeutet hier nicht bloßes Nachahmen oder blinde Kopie, sondern die Praxis, Objekte aufmerksam zu beobachten und deren Strukturen, Formen und Beziehungen zu verstehen. Dieser Prozess beinhaltet das bewusste Erfassen der äußeren Realität und das Knüpfen von Verbindungen zur Welt. Abstraktion bezeichnet die Auswahl, Herauslösung und Neukonzeption der beobachteten Realität. Der Schüler überschreitet in diesem Stadium die Grenzen der Beobachtung, um eine eigene künstlerische Ausdrucksform zu schaffen. Durch den pädagogischen Dialektikprozess zwischen diesen beiden Phasen trägt das Modell zur Humanisierung des Schülers bei. Hierbei steigert die Philosophie Takiyettin Mengüþoðlus die Einzigartigkeit und Tiefe des Modells. Mengüþoðlu betont, dass der Mensch durch den Mut, auf seinen eigenen Verstand zu vertrauen, und die Fähigkeit, Haltung einzunehmen, humanisiert wird. Ders Belgeliði bietet dem Schüler den Raum, nicht nur Objekte zu imitieren, sondern eine eigene Haltung zu entwickeln; so wird Kunsterziehung zu einer existenziellen Reise. Das Modell ist somit kein rein technisches Lehrverfahren, sondern ein pädagogisches System, das das Sehen mit eigenen Augen, das Denken mit eigenem Verstand und den Aufbau der eigenen Menschlichkeit unterstützt. Der Auswahl- und Herauslösungsprozess des Schülers wird zur bewussten Praxis der Neuinterpretation der Welt, während die Identifikationsphase als solide Grundlage dieser Bedeutungsschöpfung fungiert. Zusammengefasst stärkt das Modell die Grundidee des „mit eigenen Augen Sehens“ durch die Reflexion der Wahrnehmungsweise, die Hinwendung zum Wesentlichen mittels Auswahl und Herauslösung sowie die Neubildung einer ästhetischen Sprache. Die dokumentarische Praxis, die diesen Wandel konkret macht, ermöglicht die Nachverfolgung und Bewertung individueller Entwicklungen in der Kunsterziehung. Die dialektische Verbindung des Ders Belgeliði-Modells mit den Gedanken Worringers und Mengüþoðlus wird in den folgenden Abschnitten detaillierter untersucht, um die pädagogische und philosophische Tiefe des Modells darzulegen.

 

 

 

2. Von Worringer zum pädagogischen Dialektikprozess: Neudefinition von Einfühlung und Abstraktion
Das Ders Belgeliði-Modell transformiert Worringers ästhetischen Dualismus von Abstraktion und Einfühlung in ein pädagogisches Instrument und integriert es tief in den künstlerischen Schaffensprozess des Schülers. Abstraktion ist hier nicht nur eine formale Flucht, sondern ein gedanklicher Begegnungsraum, in dem durch „Auswahl und Herauslösung“ das Wesen des Objekts erkannt wird. Einfühlung bedeutet keine blinde Nachahmung oder oberflächliche Kopie, sondern die bewusste Beziehung zum Objekt, um dahinterliegende Zusammenhänge zu erfassen, verschiedene Schöpfungen zu vergleichen und reflektiert zu antworten. Im Atelierprozess beginnt der Schüler mit der Einfühlungsphase, indem er reale Objekte beobachtet und strukturelles sowie formales Wissen erwirbt. Zum Beispiel zeichnet ein Schüler eine Büste, beobachtet sorgfältig Proportionen, Linien und Volumen und kopiert sie. Dies reflektiert jedoch nicht nur das Sichtbare, sondern beinhaltet eine tiefere, strukturierte Wahrnehmung. In der folgenden Abstraktionsphase zerlegt der Schüler dieses Wissen bewusst, ordnet es neu und schafft eigene ästhetische Regeln. Dieser Prozess überschreitet Worringers ästhetischen Dualismus und wird zur Humanisierungspraxis, in der der Schüler Haltung gegenüber der Welt einnimmt. Die Dokumentation macht diesen pädagogischen Dialektikprozess sichtbar: Der Schüler hält Beobachtungen, Entscheidungen und gedankliche Notizen fest. Dieses Dokument ermöglicht die Reflexion darüber, wie der Schüler sieht und denkt. So bildet Ders Belgeliði eine Landkarte des pädagogischen Wegs im künstlerischen Schaffen des Schülers und zeigt, wann er zur Nachahmung oder zur Abstraktion tendiert. Letztlich zielt das Modell darauf ab, dass der Schüler sich von äußeren Zwängen löst, eigene innere Regeln erschafft, seine eigene Stimme findet und dabei Humanisierungs- und Haltungskompetenz entwickelt. Diese pädagogische Dialektik ist ein origineller Ansatz, der Theorie in Praxis umsetzt und den Schüler zu einem aktiven Denker und Produzenten macht.

 

 

 

3. Schülererfahrungen und Atelierpraktiken: Vom Nachahmen zur Abstraktion – der Prozess der Humanisierung
Der wohl eindrucksvollste Aspekt des Ders Belgeliði-Modells ist die Beobachtung, wie abstrakte Theorien in der inneren Welt und Praxis der Schüler greifbar werden. Das Modell überschreitet klassische Muster der Kunsterziehung und macht sichtbar, dass der Schüler nicht nur Produzent, sondern Beobachter, Entscheider und Subjekt eines vielschichtigen Prozesses ist. Diese Sichtbarkeit zeigt sich nicht nur im Endprodukt, sondern in jedem Schritt, jeder Entscheidung, jedem Zweifel und jeder intuitiven Orientierung.

 

3.1 Über Einfühlung und Beobachtung hinaus: Intuitive Bruchmomente
Der erste Schritt im Atelier beginnt meist mit Nachahmung. Diese ist jedoch keine bloße formale Wiederholung, sondern ein analytischer Versuch zu verstehen, „warum es so ist“. Schüler beginnen manchmal mit klassischer Naturbeobachtung oder der Interpretation eines zeitgenössischen Kunstwerks. Dieser erste Begegnungsmoment wird vom Unbewussten gelenkt; selbst die ersten Linien zeigen intuitive Präferenzen, deren sich der Schüler nicht bewusst ist. In der Nachahmungsphase agiert der Schüler entsprechend der von Worringer beschriebenen Einfühlungstendenz. Der Schüler nimmt eine Form aus der Außenwelt in seine innere Welt auf, wobei zeitweise Harmonie und zeitweise Konflikt entstehen. So kann etwa ein Schüler, der einen Baumstamm zeichnet, diesen nicht gerade, sondern mit nach oben gebogenem Strich darstellen – eine visuelle und psychologische Interpretation. Solche intuitiven Brüche markieren die Schwelle zur Abstraktion.

 

3.2 Rückblickendes Denken durch Dokumentation: Entscheidungs- und Haltungsmomente
Die Dokumentation bildet das einzigartige Rückgrat des Ders Belgeliði-Modells. Sie ist nicht nur Archiv der Zeichnungen, sondern auch Zeugin der Orientierungen, Zweifel, ästhetischen Entscheidungen und intuitiven Ängste des Schülers. Dadurch kann der Schüler Fragen beantworten wie: „Warum hast du diese Fläche leer gelassen?“, „Warum hast du diese Linie geschärft?“, „Was hast du hier verborgen?“ Beispielsweise lässt sich bei der Transformation einer objektiven Stuhldarstellung in eine abstrakte Form beobachten, wie in der ersten Arbeit Stuhlbeine klar gezeigt werden, während im dritten Dokument diese Beine nur als geneigte Linie erscheinen und die Sitzfläche zu einer kreisförmigen Leere wird. Diese formale Transformation ist der visuelle Ausdruck des Subjektwerdungsprozesses des Schülers. Diese Dokumente zeigen, wie eine Haltung wächst, wie eine Position entsteht und vor allem, wie der Schüler sich seiner inneren Realität stellt. Die Dokumentation wird so zum praktischen Werkzeug des Mutes, auf den eigenen Verstand und die Intuition zu vertrauen – wie von Mengüþoðlu betont.

 

3.3 Übergang zur Abstraktion: Von der Form zur Haltung
Abstraktion manifestiert sich meist in einem Bruchmoment. Der Schüler verzichtet darauf, das Objekt direkt darzustellen, und beginnt, dessen Geist, Rhythmus oder Spur neu zu gestalten. Die Linien des Schülers werden leichter, die Leerstellen größer, die Konturen verschwimmen. Die Form weicht der Haltung. Diese Neigung stimmt mit Worringers Abstraktionstendenz überein und ist nicht nur eine ästhetische, sondern auch eine ethische Entscheidung. Der Schüler beginnt, nicht das Gegebene, sondern das Gewünschte darzustellen. Dies zeigt, dass Kunst nicht nur Ausdruck, sondern ein Raum der Haltung ist. Dieser Bruch zeigt, dass der Schüler nicht nur Kunstproduzent ist, sondern eine Haltung zu seiner Existenz entwickelt. Wenn ein Schüler einen Stuhl zeichnet und diesen später vollständig auflöst, sodass nur eine unbesetzte Spur bleibt, ist dies der Wille, Bedeutung über das Fehlen einer Form zu schaffen. Es ist die ästhetische Transformation einer philosophischen Abstraktion.

 

3.4 Visuelle Spuren der Humanisierung
Im Ders Belgeliði-Modell wird Kunsterziehung nicht als technische Fähigkeit, sondern als Humanisierungsprozess gestaltet. Jede Dokumentation, jede intuitive Orientierung und jede formale Unsicherheit hinterlässt eine Spur auf der Subjektwerdungsreise des Schülers. Der Mensch hier ist, wie Mengüþoðlu definiert, ein denkendes, entscheidendes und Haltung einnehmendes Wesen. Dem Schüler wird nicht Zeichnen beigebracht, sondern er wird durch das Zeichnen zu sich selbst geführt. Formale Lösungen suchen nicht nur das „Schöne“, sondern das „Wahre“. Und jede Wahrheit wird zur eigenen Wahrheit des Schülers. So wird Kunsterziehung kein Werkzeug, sondern eine Form der Humanisierung – sichtbar als intuitive Signatur in jedem Dokument.

 

 

 

4. Lehrer-Schüler-Beziehung: Humanisierungspraxis von Autonomie bis Haltung und gesellschaftlicher Wandel
Im Ders Belgeliði-Modell wird die Lehrer-Schüler-Beziehung als ethischer und existenzieller Verantwortungsbereich verstanden, fern von traditionellen hierarchischen Machtverhältnissen. In den ersten Phasen vermittelt der Lehrer technische Grundlagen und Disziplin und schafft die Grundlage für den eigenständigen Weg des Schülers. Diese Unterstützung macht den Schüler jedoch nicht zum passiven Empfänger, sondern gibt ihm die Werkzeuge und Sprache, um mit eigenen Augen sehen zu können. Die Rolle des Lehrers bleibt nicht statisch, wenn der Schüler an technischer Kompetenz gewinnt. Sobald der Schüler beginnt, auf seine künstlerische Intuition und Haltung zu vertrauen, wird der Lehrer vom Autoritätsfiguren zum Mentor, Fragesteller und Zeugen. Statt „Was sollst du zeichnen?“ steht die Frage „Warum hast du so gezeichnet?“ im Mittelpunkt. Der Schüler wird ermutigt, die volle Verantwortung für seine Kunst und Haltung zu übernehmen. Dieser Prozess dient, im Sinne von Takiyettin Mengüþoðlus Menschenphilosophie, der Entwicklung des Mutes, mit eigenem Verstand Haltung gegenüber der Welt einzunehmen. Ders Belgeliði zielt darauf ab, dem Schüler volle Autonomie im künstlerischen Schaffen zu ermöglichen. Diese Autonomie ist jedoch mit Verantwortungsbewusstsein verbunden. Der Schüler übernimmt die Konsequenzen seiner Entscheidungen und gestaltet bewusst seinen Humanisierungsweg. Der Lehrer unterstützt diesen Prozess mit ethischer Verantwortung, respektiert die Originalität des Schülers und fördert die Entdeckung der eigenen Wahrheit. Diese Humanisierungspraxis ist mehr als ein individueller Bildungsansatz; sie birgt Potenzial für gesellschaftlichen Wandel. Schüler des Ders Belgeliði-Modells wachsen nicht nur zu technisch versierten Künstlern heran, sondern auch zu kritisch denkenden, hinterfragenden und gesellschaftlich verantwortlichen Individuen. Kunsterziehung wird so zur transformierenden Kraft, die die innere Reise des Schülers in eine Praxis der Welterfassung und Gesellschaftsdeutung wandelt. Zusammenfassend ist das Ders Belgeliði-Modell eine Humanisierungspraxis, in der unter der Anleitung des Lehrers die Autonomie und Haltungskompetenz des Schülers entwickelt wird, Mengüþoðlus Menschenphilosophie im Atelier konkret wird und ethische Verantwortung das Handeln prägt. Das Modell trägt die Vision, Kunsterziehung über die individuelle Existenz hinaus zu führen und freie, gesellschaftlich sensible Menschen auszubilden.

 

5. Die Rolle von Abstraktion und Einfühlung im Humanisierungs- und Haltungsausbildungsprozess im Ders Belgeliði-Modell

 

5.1 Abstraktion und Einfühlung: Die duale Dynamik der Humanisierung
Wilhelm Worringer verknüpft die formalen Tendenzen der Kunst mit den existenziellen Ängsten und Bedürfnissen des Menschen. Nach ihm ist Einfühlung ein Spiegel der Beziehung des Individuums zur Welt; der Künstler nimmt Objekte und Formen aus der Welt auf und bemüht sich, sie zu erkennen und zu verstehen. Dieser Prozess bildet den ersten bewussten Kontakt des Schülers mit der Realität. Das Ders Belgeliði-Modell überführt diesen begrifflichen Rahmen in pädagogische Praxis: Der Schüler identifiziert sich zunächst durch Beobachtung und Nachahmung mit der Außenwelt und internalisiert so formale und strukturelle Realität. Abstraktion hingegen bedeutet, wie von Worringer definiert, Loslösung von der Form und Hinwendung zu einer inneren Welt. Der Schüler rekonstruiert die beobachtete Realität anhand seiner Intuition und ästhetischen Präferenzen. Diese Phase markiert den kritischen Übergang im Ders Belgeliði-Modell, in dem der Schüler zur eigenständigen Ausdrucksform, individuellen Sinnbildung und existenziellen Haltung übergeht. Dieses duale Zusammenspiel bildet das pädagogische Fundament der Humanisierung; der Schüler verbindet sich sowohl mit der Welt als auch mit sich selbst.

 

5.2 Entwicklung der Haltungskompetenz: Pädagogische Dialektik
Im Ders Belgeliði-Prozess wirken Einfühlung und Abstraktion in einer dialektischen Beziehung. Der Schüler versucht zunächst, die objektive Realität zu verstehen und eine Verbindung aufzubauen; diese Bindung beschränkt ihn jedoch nicht, sondern öffnet den Weg zur Freiheit. In der Abstraktionsphase kopiert der Schüler nicht mehr nur das Gesehene, sondern zerlegt, interpretiert und transformiert es und entwickelt seine eigene Haltung. Zum Beispiel zeichnet ein Schüler zunächst einen Baum naturgetreu, reduziert dann aber dessen Linien auf geometrische Formen oder verändert die Form, um den emotionalen Eindruck auszudrücken. Dieser Übergang ist nicht nur ästhetisch, sondern auch ethisch; der Schüler bringt nun seine Haltung und Perspektive in die Kunst ein. Diese pädagogische Dialektik ist die konkrete Umsetzung von Mengüþoðlus „Haltung einnehmen“-Philosophie. Während der Schüler mit eigenem Verstand und Intuition Kunst schafft, formt er zugleich seine Menschlichkeit; das ist das grundlegende Ziel von Ders Belgeliði.

 

5.3 Beitrag des Ders Belgeliði zum Humanisierungs- und Haltungsausbildungsprozess
Durch die Dokumentationspraxis macht Ders Belgeliði die Reise des Schülers sichtbar. Jede Entscheidung, jeder Zweifel, jeder erneute Versuch wird aufgezeichnet, so dass der Schüler seine Entwicklung und Haltung konkret beobachten kann. Dieser Prozess ist eine pädagogische Praxis des Selbstbewusstseins und der Selbststeuerung. Beispielsweise strebt ein Schüler in frühen Arbeiten die detailgetreue Wiedergabe eines Objekts an, wendet sich in späteren Dokumenten jedoch abstrakten Formen zu. Dieser Wandel spiegelt seine innere Transformation wider. Die Dokumentation ermöglicht dem Schüler, sich selbst Fragen wie „Warum habe ich diese Wahl getroffen?“ oder „Was möchte ich mit dieser Zeichnung ausdrücken?“ zu stellen. Diese Praxis verändert auch die Lehrer-Schüler-Beziehung: Der Lehrer wird zum Fragenden und Begleiter, der den Schüler auf dem Weg der Humanisierung unterstützt.

 

5.4 Zukunftsperspektiven: Digitalisierung und interdisziplinäre Ansätze
Die pädagogische Struktur von Ders Belgeliði wird durch digitale Medien bereichert, wodurch die Dokumentationspraxis effektiver und zugänglicher wird. Digitale Portfolios ermöglichen eine systematische Erfassung des gesamten Schaffensprozesses und vertiefen das Lernen durch sofortiges Feedback. Virtuelle Ateliers als kreative Plattformen bringen Lernende aus verschiedenen Disziplinen zusammen und tragen so zur kollektiven Dimension des Humanisierungsprozesses bei. Zudem kann Ders Belgeliði in interdisziplinären Bildungsfeldern wie Architektur, Design oder Musik angewendet werden und die duale Dynamik von Abstraktion und Einfühlung in verschiedene Bereiche transferieren. Dies erhöht die Universalität und Anpassungsfähigkeit des Modells.

 

 

 

Literaturverzeichnis

  • Worringer, Wilhelm. Abstraktion und Einfühlung: Ein Beitrag zur Psychologie des Stilgefühls. 1907.

  • Mengüþoðlu, Takiyettin. Philosophie und Mensch. Ankara Üniversitesi Basýmevi, 1963.

 

 

Le modèle "Ders Belgeliði" est une pédagogie artistique qui dépasse l'enseignement des compétences techniques pour devenir un processus d'humanisation.

Ce modèle réinterprète les concepts d'abstraction et d'empathie de Wilhelm Worringer comme un dialogue pédagogique : l'étudiant s'engage d'abord dans l'empathie (observation consciente du réel) puis dans l'abstraction (création de formes uniques). Ce processus, soutenu par la documentation, permet à l'étudiant de développer une capacité à "prendre position" (tavýr koyabilme). L'éducation artistique devient ainsi une voie vers l'autonomie et l'affirmation de soi.